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Technik

Der Basismotor

Als technische Besonderheit verfügt die DOLMETTE über ein 24-Zylinder-2-Takt-Triebwerk, welches es in dieser Bauform bisher noch nicht gegeben hat.
Mittels zwölf Zahnriemen wird die Leistung von
24 DOLMAR-Kettensägen-Motoren auf ein Harley-Davidson-5-Gang-Getriebe übertragen.

Als Basis dient die Profi-Kettensäge PS-7900, welche mit einem Leistungsgewicht von 1 kg pro PS derzeit weltweit die Spitzenposition bei professionellen Benzinmotorsägen einnimmt. In der Serienausführung leistet jedes dieser luftgekühlten 79 ccm Hochleistungstriebwerke 4,6 kW (6,3 PS) bei einer Drehzahl von 9500 Umdrehungen pro Minute. Grundlage für die unter Motorsägen herausragend hohe spezifische Leistung von 59 kW pro Liter ist die DOLMAR High Perfomance Combustion. Darunter ist das spezielle Design der sechs Ladungswechselkanäle in Kombination mit der asymmetrischen Brennraumkalotte und der Kurbelraumgestaltung zu verstehen, welches zu dieser hocheffizienten und schadstoffarmen Verbrennung führt.
Für den Einsatz in der DOLMETTE konnten die Motoren noch etwas entdrosselt werden und liefern nun 5,2 kW (7,1 PS) bei 10.000 Umdrehungen pro Minute. Das maximale Drehmoment beträgt 5,5 Nm bei 7.750 Umdrehungen pro Minute. Für das 24-Zylinder-Kraftwerk ergibt sich damit bei einem Gesamthubvolumen von knapp 1,9 Liter eine Leistung von 125 kW (170 PS) und ein Drehmoment von 130 Nm an den Fliehkraftkupplungen.

Das Gesamttriebwerk

Zentraler Bestandteil des Triebwerks bildet der Riemenkasten aus Aluminium. Dieser beinhaltet neben den elf Riemen zur Kopplung der Triebwerke auch die Abluftführung der Kühlluft. Auf jeder Seite des Riemenkastens sind zwölf Motoren in zwei Reihen angebracht.

Die Befestigung der Motoreinheiten erfolgt über zwei Stehbolzen, welche normalerweise zur Fixierung des Sägeschwertes dienen. Jeweils drei dieser Motoren sind über einen Doppelzahnriemen zu einem Modul zusammengefasst. Dabei sind die Einzeltriebwerke nicht starr miteinander gekoppelt, sondern geben ihr Drehmoment über die bei Kettensägen serienmäßig vorhandenen Fliehkraftkupplungen ab.


Über eine Kaskade von drei weiteren Zahnriemen wird die Leistung der acht Module auf einer Abtriebswelle zusammengeführt. Von dieser Abtriebswelle aus geht es über den zwölften Zahnriemen auf die Kupplung am Eingang des 5-Gang-Getriebes. Der Zahnriementrieb dient gleichzeitig als 3,45-fache Untersetzung. Dadurch wird das hohe Drehzahlniveau der Motoren auf ein für das Getriebe verträgliche Niveau von maximal 4500 Umdrehungen pro Minute reduziert. Die vom Riementrieb benötigte Reibleistung liegt unter 10 %, d.h. an der Getriebeeingangswelle steht für den Vortrieb ein gewaltiges maximales Drehmoment von über 400 Nm zur Verfügung.

Da die Motoren nicht starr miteinander gekoppelt sind, wird jedes Triebwerk zunächst einzeln gestartet, kurz warm gefahren und wieder abgeschaltet. Nachdem für alle Triebwerke die Warmlaufphase abgeschlossen ist, können alle Motoren des Kraftwerks in Betrieb genommen werden.

Als weitere Folge der nichtstarren Kopplung über die Fliehkraftkupplungen ergibt sich für das Gesamttriebwerk eine selbstbestimmende (anarchistische) Zündreihenfolge. Bedingt durch das 2-Takt-Arbeitsprinzip erfolgen pro Motorumdrehung 24 Zündungen, d.h. im Mittel alle 15° KW. Dieses Triebwerk zündet damit viermal häufiger pro Umdrehung als ein 12-Zylinder-4-Takt-Motor!


Durch die sehr hohe Maximaldrehzahl von über 15.000 Umdrehungen pro Minute und die niedrige Einkuppeldrehzahl der Fliehkraftkupplung bei ca. 4.000 Umdrehungen pro Minute steht ein extrem breites nutzbares Drehzahlband der Motoren von mehr als 11.000 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung. Mit der langen Übersetzung erreicht die DOLMETTE im ersten Gang eine Geschwindigkeit von über 120 km/h, mit der kurzen ca. 80 km/h.

Eine Motorsäge ist aufgrund des vorgesehenen Einsatzzweck als handgehaltenes Gerät auf minimales Gewicht ausgelegt. Für Zylinder und Kolben kommen daher Aluminium zum Einsatz, das Kurbelgehäuse wird aus dem noch leichteren Magnesium ge-fertigt. Ausgehend von dieser sehr guten Ausgangsbasis konnte das Gewicht einer Motoreinheit durch Abfräsen des serienmäßigen Magnesiumkurbelgehäuses sowie durch Weglassen der für diesen Einsatzzweck nicht benötigten Bauteile nochmals von 6,3 kg auf 4,5 kg reduziert werden. Für das Gesamttriebwerk inklusive Getriebe ergibt sich trotz einer Länge von 2495 mm ein relativ niedriges Gewicht von 188 kg.

Der Riementrieb

Zu den technologischen Highlights gehören auch die insgesamt zwölf Antriebsriemen der ContiTech Power Transmission Group. Diese HighTech-Elemente sorgen dafür, dass die Kraft der 24 Kettensägenmotoren zuverlässig auf den Asphalt übertragen wird.

Elf CONTI SYNCHROTWIN® Doppelzahn-riemen auf SUPREME-Basis und mit einem Sonderzugstrang versehen, laufen in mehreren Stufen serpentinenförmig zwischen den 24 Kettensägenmotoren. Ein weiterer 100 Millimeter breiter und einfach ver-zahnter CONTI SYNCHROFORCE® SUPREME Hochleistungszahnriemen erledigt den Endantrieb.

Aufgrund der Kopplung der Motoren über Fliehkraftkupplungen und der damit anarchistischen Zündfolge der einzelnen Triebwerke, mussten die Ingenieure der DOLMAR GmbH bei dieser noch nie dagewesenen Antriebskonfiguration neue Wege gehen. Zusammen mit ContiTech konnte die Herausforderung mit einer Riemenauslegung gelöst werden, bei der der asynchrone Lauf über mehrere Übersetzungsstufen unterschiedlicher relativer Geschwindigkeit zum
Hinterrad übertragen wird.


Bei der Ungleichförmigkeit der Kraftentwicklung müssen die Riemen ungeheuren Belastungen widerstehen. Entsprechend aufwändig war die Entwicklung: Um die Stöße der asynchronen Kraftaufnahme zu reduzieren, sollten die Riemen über eine besonders hohe Zahnabscherfestigkeit verfügen. Normalerweise wird dies mit einem besonders starren und steifen Riemen erreicht – die Anforderung in der DOLMETTE gab aber einen möglichst flexiblen Riemen vor. Also modifizierten die ContiTech Ingenieure den bestehenden Polychloropren-Riemen und verstärkten die Verbindung von Materialcompound und Zugstrang bis in den Grenzbereich des Machbaren. Um diese Kraft im engen Bauraum eines Motorrades und mit sehr geringer Riemenbreite übertragen zu können, musste dabei weit über die Grenzen bekannter Anwendungen hinaus gegangen werden.

Fahrwerk


Vorderrad
Zentraler Bestandteil des Rahmens bildet der als selbsttragende Konstruktion ausgeführte Riemenkasten mit seiner Länge von 2495 mm. An diesen wird das vordere Rahmenteil aus 32er Rundmaterial angeschraubt. Im Lenkkopf sitzt die aus dem vollen gefräste Techno Plus Gabel mit Teleskopfederelementen. Das verschraubte Heckteil ist
ebenfalls aus 32er Rundmaterial gefertigt und nimmt ungefedert das riesige 8½“ Vollscheibenrad mit 240/40 x 18“ Bereifung auf. Vorne ist ein 3½“ Aluspeichenrad mit 120/90 x 18“ Bereifung montiert.

Für das gesamte Motorrad ergibt sich eine Länge von 3870 mm und eine Breite von 590 mm.


Hinterrad
Da das Triebwerk überwiegend aus Aluminium und Magnesium besteht und damit trotz seiner 24 Zylinder nur 188 kg wiegt, konnte das Gesamtgewicht der DOLMETTE auf knapp über 300 kg beschränkt werden.
Damit liegt das Leistungsgewicht bei sehr günstigen 1,8 kg/PS. Um dieses Kraftwerk auch entsprechend abbremsen zu können, kommen vorne 16-Kolben Doppelscheibenbremsen mit 292 mm Durchmesser zum Einsatz. Das Hinterrad wird durch eine ebenfalls 292 mm messende Scheibe mittels 4-Kolben-Zange abgebremst.